Trauer

Warum trauert der Mensch eigentlich manchmal um etwas oder jemanden ?

Zunächst erscheint die Frage ja ziemlich lapidar. Es erscheint uns normal zu sein, dass man etwas oder jemandem hinter-her-trauert. Aber warum genau trauert man denn nun wirklich ? Man wird ja wohl kaum darum trauern, weil man dem anderen das Leben im Jenseits nicht gönnt ? Das wäre ein egoistisches Trauern.

Dies soll genauer untersucht werden. Dabei fällt auf, dass es immer optionale Möglichkeiten sind, die zuvor zur Verfügung gestanden hätten, aber nach dem Verlust des Gegenstandes oder der Person nicht mehr zugänglich sind. Man trauert sozusagen über verlorene Chancen und Möglichkeiten. Beispielsweise ist jemand gestorben und wir "trauern um ihn". Schaut man aber ehrlich hin, so sind es eigentlich die verlorenen Möglichkeiten, um die wir trauern, Wir können nun beispielsweise keine Zeit mehr mit ihm verbringen. Diese Möglichkeit ist nun passe.
Nun wird auch klarer, was Trauer mit "sich etwas trauen" zu tun hat. Das mutigste was ein Mensch sich trauen kann, ist, dass man sich mit jemanden anders vollkommen EINS fühlt. (Mutig deswegen, weil das ja nur geht wenn man zumindest vorübergehend das eigene ICH vollkommen loslässt.)
So ist es also immer etwas was der Trauernde sich nicht getraut hat, was der Trauernde sich zu Lebzeiten der Person nicht getraut hat zu tun, oder geglaubt hat etwas nicht tun zu können. Dann trauert er wirklich einer vertanen Chance nach die aus der eigenen Feigheit nie genutzt wurde. Man hat sich zu Lebzeiten der Person beispielsweise nicht getraut, ein so intensives Zusammensein zu erleben, dass es zu einer echten "Erfüllung" gekommen wäre. Dieser vertanen Chance trauert man nach.

Man fühlt sich leer (=traurig) weil die erhoffte erFüllung nicht stattfand.

Dies ist in unserer Kultur fast schon normal, dass man sich zu Lebszeiten dies nie erlaubt hat, zum Beispiel die totale Einheit und Verbunden sein oder EINS sein mit jemandem zu fühlen, ganz einfach weil das Weibliche (Fühlen ist weiblich, yin) in unserer Gesellschaft so gering geschätzt wird dass es dann eben tatsächlich auch so selten praktiziert wird. Und erst nach dem Tode der Person spürt man dann, dass man genau dies verpasst hat.

Stirbt ein Partner aus einer erfüllten Beziehung, die zu vollkommener Blüte und Reife geführt hat weil zum Beispiel tantrische Sexualität gelebt wurde, so gibt es keine Trauer am Ende, sondern stattdessen nur Friede. Allerdings gibt es solche Beziehungen nur sehr selten weil es nicht der oberflächlichen Kultur unserer Gesellschaft entspricht sich so tief innerlich verbindend zu fühlen. Darum ist es kein Wunder wenn erst nach dem Tod der Person erfühlt wird was man vermisst, also versäumt hat.

Oftmals wird ja geglaubt, Trauer sei Egoismus, dass der Trauernde dem Verstorbenen sozusagen nicht gönnt im Jenseits zu leben und so weiter. Aber wie man sieht, hat Trauer mehr mit "sich etwas nicht getraut haben" zu tun, als man denkt..

Bitte beachten Sie auch die Übung zur verdrängten Trauer im Übungsbereich.


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