Streiten

Hier soll das Thema Streit unter einem spirituellen Blickwinkel betrachtet werden. Ob es sich dabei um einen Streit unter Lebenspartnern oder mit fremden Personen oder gar um einen juristischen Streit handelt ist dabei egal. Die Mechanismen sind immer dieselben.

Ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass sie in einen Streit verwickelt waren ? Dass Sie mit jemandem gestritten haben, wer Recht habe, oder ähnliches ? Haben Sie dabei auch gefühlt, wie es Sie emotional "gepackt" hat ? Wie die Emotionen, zum Beispiel Wutemotionen von unten hoch kamen, bis sie über die Sprache in einem Wortgefecht ihren Ausdruck fanden ? Dann ist soviel Energie im Spiel, dass wir nicht mehr ruhig sprechen können, stattdessen wird dann jedes Wort "geschrieen". Manchmal werden Menschen dann von ihrer emotionalen Energie so sehr überflutet, dass sie sogar mit körperlicher Gewalt gegen den anderen vorgehen. Sie haben sich dann nicht mehr im Griff, tun dumme Sachen, die sie hinterher bereuen.

Leid

Durch die viele negative Energie, zum Beispiel Wut oder Trauer, die  in uns bei einem Streit hochkommt, gelangen wir schnell in einen Zustand des Leidens, wenn wir mit diesen Emotionen nicht gut umgehen können.
Die primitive, aber weit verbreitete Methode, sich von diesem Leid zu befreien, ist indem wir einfach den anderen BeLEIDigen. Wenn Sie dies schon mal praktiziert haben, werden Sie sich erinnern, danach fühlt man sich erst mal leichter und besser, denn nun hat man der anderen Person das Leid sozusagen übertragen. Man selber leidet erstmal weniger. Allerdings ist durch diese Methode das Leid nicht aufgelöst worden, es ist nur verschoben worden. Und aufgrund des Gesetzes, dass alles zu uns zurück kommt, was wir aussenden, wird das Leid zu uns zurückkehren. Wer Streiterfahrungen hat (und wer hat die nicht ?), wird wissen, wie die Erfüllung dieses Gesetzes meist geschieht: Der andere beleidigt uns ebenfalls. Batsch. Das Leid ist wieder bei uns zurück.

Wenn wir Glück haben erkennen wir dann irgendwann dass mit gegenseitigen Beleidigungen und Schuldzuweisungen nichts erreicht wird. Nur das Erkennen der eigentlichen Botschaft hinter dem Streit und Vergebung hilft uns, das Leid in uns endgültig zu transformieren und aufzulösen.

Über die Peinlichkeit, in Streite verwickelt zu sein

Wenn wir streiten haben wir normalerweise vergessen, dass wir die Schöpfer unserer Realität sind. Wir sind uns dann nicht bewusst, dass unsere Außenwelt nur der Spiegel unseres Innen ist. Wir sind dann im Opferbewusstsein, wir glauben, der andere sei an unseren Emotionen schuld, die in uns aufsteigen.
Dies ist natürlich falsch. Wir haben eine jede Emotion in uns, selbst erschaffen und selbst zugelassen, dass sie uns erfasst hat. Wir sind der Schöpfergott nicht nur unserer Gedanken, sondern auch unserer Emotionen. Es gibt da nichts, an was der andere schuld sein könnte, außer wir betrachten den anderen als Spiegelbild unserer Selbst, was ja die Realität ist. Aber dann erkennen wir erst recht, wie lächerlich es ist, auf das Spiegelbild "einzuschlagen".
Wir müssen also erkennen, wie peinlich es ist, in einen Streit verwickelt zu sein, denn er spiegelt einen Teil unseres Innenleben.
Oft ist es uns (unserem Ego) ja peinlich, einen Streit zu verlieren. Wir versuchen alles, um aus einem Streit als Sieger hervorzugehen. Dabei sollte es uns als Sieger eines Streites genau so peinlich sein, denn auch der Sieger eines Streites hat ihn innerlich erschaffen. Egal, ob Sieger oder Verlierer eines Streites, der Streit ist immer Ausdruck eigener innerer streitenden Anteile - und für diese sollten wir uns schämen, denn diese verhindern unseren Frieden mit uns selbst und mit anderen.
Darum, wie gesagt, sollte es uns aus spiritueller Sicht zunächst einfach nur peinlich sein, überhaupt in einen Streit verwickelt zu sein. Er zeigt allen anderen, was in dir vorgeht.

Abschließend noch eine praktische Empfehlung aus dem Buddhismus. Hier wird gelehrt:
Wenn du schon einen Streit nicht umgehen kannst, so stehe über den Emotionen. Lass dich nicht von den Emotionen des Streites packen, sondern handle aus dem Bewusstsein heraus, dass alles Geschehen, also in dem Fall der Streit, nur Illusionen sind, die dir dein momentanes inneres Spiel spiegeln.


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Kommentare

1. Josef schrieb am 10.3.2014:

Wozu Streiten?
Mache aus dem Streit eine Diskussion.
Bleib Sachlich.
Bleib Ruhig.
Zwing niemand DEIN Recht auf, auch nicht wenn Du weisst, dass Du im Recht bist, denn: "Die Wahrheit musst du nicht beweisen, die Wahrheit beweisst sich von selbst!"
Geduld hilft dir in so einer Situation viel - viel weiter.
Alles Liebe Josef (Der Nicht-Streitsüchtige)

2. herbstblatt schrieb am 04.11.2019:

Hallo lieber Autor und liebe Leute,

bis vor wenigen Monaten hätte ich gedacht, dass es tatsächlich für mich möglich sei, in allem gelassen und fair zu verbleiben und Streit garnicht erst zu erzeugen.
Aber dann kommt eine Erfahrung, wie ich plötzlich in Situationen derart vertieft gefangen bin und mit keiner Mühe auf friedliche Weise da herauskommen konnte,
dass sehr tiefgreifender Streit entstanden war, an dem ich zutiefst mit beteiligt war. Es hat mir mein ganzes Vertrauen in meine Fähigkeit gelassen zu bleiben genommen,
tiefe Scham und ein eigenes inneres Verbot auch mit anderen in Frieden Kontakt haben zu dürfen sind daraus entstanden. Fürchterlich, was es mit mir gemacht hat.
Und unerwartet, wie es doch im Leben zu Situationen kommen kann, die einen auf eine Weise überfordern, wie man damit nicht gerechnet hat.
Alle scheinbar entwickelte Gelassenheit scheint sich in gewisser Weise Luft aufgelöst zu haben. Alles scheine ich in gewisser Weise in der Hinsicht in mir von neuem aufbauen zu müssen.
Das tut weh, zu wissen, dass Wort-Gewalt nicht die Lösung ist und zugleich, dass man nicht fähig war sie zu umgehen, aus der Unfähigkeit sich selbst auf friedliche Weise
einen schützenden Raum schaffen zu können.

Da wäre ich über einen Hinweis dankbar. Ich denke ich kann nur vergeben und daraus lernen. Was anderes bleibt nicht übrig. Der Satz hier macht mir daher natürlich auch etwas zu schaffen "Darum, wie gesagt, sollte es uns aus spiritueller Sicht zunächst einfach nur peinlich sein, überhaupt in einen Streit verwickelt zu sein." Denn dies zu wissen und doch nicht so gehandelt zu haben und aus jetziger Sicht auch nicht mal einen anderen Ausweg gesehen zu haben, das ist doch schon schwierig für mich. Und ich merke, was für eine große Herausforderung es ist, sich dieses Gebot der Freundlichkeit zu Herzen zu nehmen. Große Achtung vor denen, die dies tatsächlich beherrschen.

Herzlichen Gruß

Herbstblatt

3. Andreas schrieb am 04.11.2019:

Hallo,
so wie du das schilderst scheint es ja offensichtlich dass dein Unbewusstes da die Kontrolle übernommen hatte (?) - insofern wäre die Botschaft für dich dass dieses Streitthema etwas Unbewusstes in dir getriggert hat, mit welchem du in einem Unfrieden bist und welches du natürlich innerlich finden und befrieden müsstest, damit du nicht wieder in eine solche Situation kommst.

lg von Andreas

4. herbstblatt schrieb am 05.11.2019:

Hallo lieber Andreas,

dankeschön für deine Nachricht. Das klingt ja recht simpel. Ich habe später gesehen, dass du zum Thema "Partnerschaft" auch etwas andere Beschreibungen hinzugefügt hast. Da war das Bild für mich auch noch weiter gefächert betrachtbar. Ja genau, ich bin intensiv am Aufarbeiten dessen, was mich da hineingebracht hat, es ist ziemlich herausfordernd, aber tatsächlich wichtig, ich will da wirklich raus aus dem Trigger.

lg und danke!!, =)

Herbstblatt


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