Warum hat der Mensch einen Körper ?

Warum hat der Mensch eigentlich einen Körper ? Zunächst denkt man ja, der Mensch hat einen Körper damit er in der materiellen Welt agieren kann, damit er Dinge erbauen, erschaffen, verändern kann. Aber diese Begründung bekommt schnell Risse, wenn man bedenkt, dass der Mensch die von ihm geschaffenen Dinge ja nach seinem Tode gar nicht mitnehmen kann. Sie werden ihm entrissen, er wird von den erschaffenen materiellen Dingen getrennt. Was für einen höheren Sinn soll das ergeben ? Dass er lernt loszulassen ? Nun, sicher ist Loslassen ein wichtiges Lernthema, aber der eigentlich tiefere Sinn zu was der Mensch einen Körper hat muss ein anderer sein.
Betrachten wir doch einfach mal das Markanteste, was wir mit dem Körper können, es ohne den Körper aber nicht könnten:
Das ist das Fühlen !
Mithilfe unseres Körpers können wir die ganze ungeheure Bandbreite menschlicher Gefühle wahrnehmen, erleben, erfahren. Das geht von abgrundtiefen Depressionen und Ängsten bis hin zu höchstem orgiastischem Lustempfinden. Ständig liefert unser Körper uns Sinnesempfindungen, ununterbrochen, von der Geburt bis zum Tod. Wenn man dies bedenkt, dann ist es eigentlich nur logisch zu sagen, dass der Mensch den Körper bekommen hat, um fühlen zu können.
Mit dem Körper kann der Mensch das Feedback fühlen, welches sich aus seinen Kreationen in dieser Welt ergibt. Um Fühlen zu können, besitzt der Mensch einen Körper.

Dies führt nun natürlich zu der Frage, ob und inwiefern du deinen Körper zum Fühlen benutzt, ob du mit Freude fühlst oder ob es gar Gefühle gibt, die du ablehnst, die du dich sträubst zu fühlen. (siehe Übung 58)
Das Leben annehmen heißt nichts anderes als all dem zuzustimmen, was du fühlst. Kein Gefühl blockieren, sondern ein jedes Gefühl durch dich fließen zu lassen. Selbst bei den dunkelsten Gefühlen, ja sogar bei jeglichem Schmerzgefühl gilt, dass es von dir geht, sobald es durch dich hindurchgeflossen ist. Der Schmerz (oder auch jedes andere schlechte Gefühl) bleibt nur dann bei dir, wenn du es blockierst, wenn du sein Weiterfließen verhinderst.

Wir fühlen ständig Dinge und Einflüsse aus unserer Umwelt. Vielleicht kennen Sie die sogenannten Familienaufstellungen nach Hellinger oder andere Formen systemischer Aufstellungen und Sie haben schon einmal die Energien gespürt, welche dabei fühlbar werden. Das ist wichtig zu verstehen, dass diese Energien, welche bei solchen Gelegenheiten so klar und massiv gefühlt werden können, die sind eigentlich immer und überall im Alltag präsent. Wir könnten sie eigentlich zu jeder Zeit spüren. Wir müssten uns lediglich etwas entschleunigen und unsere einkommenden Impulse auf das Wesentliche reduzieren. In den Aufstellungen nehmen wir das was da ist nur darum so heftig und deutlich wahr, weil es dann auf die wesentliche Symbolik reduziert ist. Im Alltag sind wir so vielen Systemen gleichzeitig ausgesetzt, dass wir unter dem Einfluss der vielen Impulse oft nur zu einem schwammigen Fühlen fähig sind. Aber das Hauptding bei einer systemischen Aufstellung, egal ob es nun mit Symbolen, Figuren oder mit echten Menschen geschieht, das Hauptding ist immer das Einfühlen. Und dieses sich in etwas einfühlen ist das natürlichste, was es auf der Welt gibt ! Wir praktizieren es eigentlich ständig. Es ist etwas, was wir sowieso immer tun. Und zwar, ob wir wollen, oder nicht ! Wir fühlen immer. Wir können zwar verdrängen (und nicht fühlen) - aber das funktioniert sowieso nicht dauerhaft.
Sobald sich zuviel Verdrängtes angesammelt hat, kommt es nur um so stärker zu uns zurück, weil jeder Damm irgendwann bricht oder überschwappt, wenn die Menge an angestautem Gefühl nur groß genug geworden ist.
Das, was wir bei den Aufstellungen tun, zu fühlen, ist also das Normalste von der Welt.
Ich würde gerne provokativ sogar so weit gehen zu behaupten, dass zu fühlen der einzigste Zweck ist, weshalb der Mensch überhaupt einen Körper hat.
Wir erfüllen durch das Fühlen unsere Lebensaufgabe.
Der menschliche Körper ist primär zum Fühlen da.


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