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123. Aurelia schrieb am 13.8.2023:
Lieber Andreas,
zunächst einmal danke für deine Zeit und Energie, die du in die Beantwortung der Fragen steckst...das alles zu lesen ist Unglaublich hilfreich und öffnet buchstäblich die Augen. Seit einigen Tagen habe ich eine Bindehautentzündung am rechten Auge, das Oberlid ist geschwollen, jetzt fängst am Unterlid an.Im Außen ist es so, dass wir gerade unseren Sommerurlaub kurzfristig abgesagt haben,da mein Mann sich wegen Burnout-Symtomen inkl. Depression und einer grundsätzlichen Angst vor Reisen in die Ferne das nicht zutraut. Ich wiederum habe seit vier Jahren eine Angststörung ptbs, an der ich auch arbeite, und traue mir diese Reise mit unseren vier Kids nicht alleine zu. Dennoch - ich (oder ein jüngerer Anteil von mir?) ist so enttäuscht, auch wütend, frustriert...Merke, dass ich dabei in die Opferrolle falle ("Wo bin ich nur gelandet, was ist aus meinem Leben geworden Blabla) und in manchen Gedanken mein Mann "die Schuld" gebe...d.h. ich bin weniger im Mitgefühl, eher in der Wut und Enttäuschung. Gleichzeitig schäme ich mich für diese Gefühle... Urlaub war schon immer eine Thema, seit 2018 waren wir nicht weg (außer mal ein paar Tage bei Freunden). Ich persönlich sehne mich nach der Ferne, nach anderem Licht,anderen Farben - ich will wahrhaftig etwas Neues sehen. Bin auch wütend auf mich, dass ich nicht alleine reisen kann (zumindest glaube ich das) und auf meinen Mann als Unterstützung angewiesen bin. Vertrackt, alles...ach ja, ich hab seit Ewigkeiten nicht mehr geweint - aber ich würde so gerne ... Oh je, das war lang. Würde mich über einen Impuls von dir sehr sehr freuen! Katharina
124. Andreas schrieb am 13.8.2023:
Hallo Aurelia, Ja, die Botschaft ist offenbar klar: Ihr müsst euch zuerst um die Auflösung eurer diversen Angstthemen kümmern bevor ihr eine solche große Reise machen könnt. Im Moment wäre eine solche Reise wohl nur eine Flucht vor diesen Themen gewesen und wäre darum wohl sowieso nicht gut gegangen. Auch die aktuelle Bindehautentzündung ist ja die Botschaft dass du eine andere Sicht auf das Leben brauchst, weil deine aktuelle Sichtweise ja vor Wut (auf die Folgen der Angst) bereits entzündet ist.
So wäre es also deine Aufgabe eine friedliche und vor allem angstfreie Sichtweise auf dein Leben zu entwickeln.
lg von Andreas
125. Rosarot schrieb am 13.8.2023:
Die Sehnsucht nach anderen Orten und anderen Farben kommt eigentlich daher, dass der Mensch von Natur aus sich eigentlich über das Land bewegt, die Sesshaftigkeit kam erst durch die Territorialansprüche der Ackerbau- und Viehzuchtkulturen. Zudem: Wieviel Zeit wird in den Farben der Natur verbracht, wieviel natürliche Farben kommen auf den Teller, im Vergleich dazu, wieviel Zeit die Kinder in der Schule - also in geschlossenen Räumen stillsitzend müssen - und die Erwachsenen, die sich Arbeitsverträgen unterworfen haben, ebenso, und dabei stets dasselbe sehen, und durch die erbärmliche Handykultur und Industrieessen mit künstlichen Farben und virtuellen Orten zugemüllt werden.
Das kann man nicht nur ein paar wenige Wochen Urlaub oder Ferien ausgleichen, es bedarf einer grundsätzlichen Änderung des Lebensstil - von jedem einzelnen von uns in dieser Kultur. Danke.
Das Reiseverhalten der heutigen Menschen ist kein Urlaub, sondern eher Stress - sie pressen ihre Freizeit und ihre Reisen in die kurzen Zeiten, die ihnen Arbeitsverträge und Schulferien vorschreiben - verpesten Luft und Land durch die Art wie sie reisen, kümmern sich in ihrer Freizeit nicht um den Ort, an dem sie eigentlich leben, sondern reisen an andere Orte, wo sie wieder separiert in Hotels, Campingplätzen oder Ferienhäusern ein von der dortigen Bevölkerung sich aufhalten und sich auch nicht für den Ort verantwortlich fühlen, da sie ja nur Touristen sind. Das Wort Urlaub kommt auch anscheinend von Erlauben - und Erlauben sollte man sich stets selbst, wie viel Erholung man benötigt, und nicht den Staat oder die Wirtschaft darüber bestimmen lassen - das bedeutet Aufwachen. Danke.
Manche Ängste sind also durchaus ernstzunehmen, weil sie nicht nur überwunden werden wollen, sondern einem dazu aufrufen, etwas grundsätzliches in Bezug auf die eigene Lebensweise zu ändern.
Diese Sommerferien waren ein eindrückliches Beispiel, was aus dem Tourismus geworden ist, der über Billigflüge und Billigreisen fast jedem diese Art zu Reisen - was eher Flucht als Reise ist, und oft auch Statusdenken, was man sich alles leisten kann - ermöglicht - überall war der Himmel mit dicken dunklen Wolken verpestet - dafür sind auch schon lange die Autofahrer ein Symbol - sie sitzen in ihren Blechkisten und verstinken die Luft für die, die sich naturgemäss an der frischen Luft bewegen, zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Eigentlich sind das alles Symbole für den Egoismus und verdeckten Narzissmus dieser Art von Kultur.
Flugzeuge sind ein Symbol dafür, wie weit sich der Mensch von der Erde entfernt hat. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass der Jetlag nicht durch die Zeitverschiebung kommt, sondern dadurch dass das Herzchakra eigentlich stets mit der Erde verbunden sein soll ...
Wie gut kennen die Menschen denn ihr Umfeld da wo sie leben, zu Fuss erkundet? Geht doch mit Euren Kindern wandern, dadurch lernen sie ihre eigenen naturgemässen Leistungsgrenzen kennen und erweitern ... Sie lernen eine respektvollen Umgang mit der Erde und sich selbst, schauen in den freien Himmel und reintegrieren die Art zu leben, wie es von der Natur für jedes Säugetier, auch den Menschen, eigentlich vorgesehen ist. Danke.
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