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aus Gespräche
mit Gott Band 3 ab S.167:
"Die
Kirche verkündete, daß ihr euch besser anständig benehmen solltet,
denn sonst... Und da kamen die Vertreter der Reinkarnationslehre daher
und sagten: "Ihr habt danach noch eine Chance und danach noch eine. Und
dann immer noch weitere Chancen. Also macht euch keine Sorgen. Macht es so gut,
wie ihr könnt. Seid nicht vor Furcht so gelähmt, daß ihr euch
überhaupt nicht mehr rühren könnt. Versprecht euch selbst es besser
zu machen, und geht eurer Wege." Natürlich konnte das die frühe
Kirche nicht billigen. Also tat sie zwei Dinge: Erst erklärte sie die Reinkarnationslehre
zur Ketzerei und führte dann das Sakrament der Beichte ein. Die Beichte konnte
dem Kirchgänger geben, was die Reinkarnationslehre versprach, nämlich
eine weitere Chance. Der
Mensch wurde also von Gott für seine Sünden bestraft, es sei denn er
beichtete sie. Nach der Beichte konnte er sicher sein, daß Gott ihm vergeben
hatte. Ja.
Allerdings gab es da einen Haken. Diese Absolution konnte nicht direkt von Gott
kommen. Sie mußte den Weg über die Kirche nehmen, deren Priester die
fällige Buße auferlegten. Im allgemeinen wurden vom Sünder Gebete
verlangt. Das waren für die Menschen wichtige Gründe, ihre Kirchenmitgliedschaft
aufrechtzuerhalten. Die Kirche merkte, daß die Beichte eine große
Zugnummer war, und so erklärte sie es bald zur Sünde, wenn man nicht
zur Beichte ging. Jedermann hatte wenigstens einmal im Jahr zu beichten. Tat er
es nicht, lieferte das Gott einen weiteren Grund, zornig zu sein. Die Kirche
stellte immer mehr Regeln auf - viele davon völlig willkürlich und aus
einer Laune heraus -, und eine jede hatte die geballte Kraft von Gottes ewiger
Verdammnis als Rückendeckung, es sei denn natürlich, das Vergehen wurde
gebeichtet. Dann wurde dem Sünder von Gott vergeben, und er entkam der Verdammnis. Doch
nun gab es ein weiteres Problem. Die Leute kamen zum Schluß, daß sie
nun alles tun konnten, solange sie es nur beichteten. Die Kirche geriet in ein
weiteres Dilemma. Die Furcht war aus den Herzen der Menschen gewichen. Die Zahl
der Kirchgänger und Kirchenmitglieder schrumpfte. Die Leute kamen einmal
im Jahr zur Beichte, sagten ihre Bußgebete auf, wurden von ihren Sünden
losgesprochen und wandten sich wieder dem leben zu. Also mußte ein Weg gefunden
werden, die Angst wieder in ihre herzen zu bringen. Und so erfand man das Fegefeuer. Fegefeuer
? Fegefeuer.
Man beschrieb es als einen höllenähnlichen Ort, an dem man sich jedoch
nicht ewig aufhielt. Diese neue Lehre besagte, daß Gott den Menschen für
seine Sünden leiden ließ, auch wenn er sie gebeichtet hatte. Dieser
Lehre zufolge verhängte Gott ein gewisses Maß an Leiden über jede
unvollkommene Seele, je nach Anzahl und Art der von ihr begangenen Sünden,
wobei es da die Todsünden und die läßlichen Sünden gab. Todsünden,
waren sie nicht vor dem Tod gebeichtet worden, schickten die Seele schnurstracks
in die Hölle. Die Zahl der Kirchgänger schoß wieder in die
Höhe. Auch die Einnahmen aus der Kollekte und vor allem aus dem Ablaßhandel
waren hoch - denn die Lehre vom Fegefeuer beinhaltete auch die Möglichkeit,
sich vom Leiden freizukaufen. Wie
bitte? Gemäß
der Kirchenlehre konnte man einen besonderen Ablaß erhalten - doch auch
hier wieder nicht direkt von Gott, sondern von einem Amtsträger der Kirche.
Diese besonderen Ablässe befreiten einen - zumindest teilweise - vom Leiden
im Fegefeuer, das man sich durch seine Sünden verdient hatte. So
etwas wie die vorzeitige Entlassung wegen guter Führung? Ja.
Aber diese Vergünstigungen wurden natürlich nur wenigen zuteil. Im allgemeinen
jenen, die der Kirche eine sehr beträchtliche Spende zukommen ließen.
Für eine wirklich große Summe konnte man den vollen Ablaß erhalten.
Er bedeutete: Null Zeit im Fegefeuer. Eine Fahrkarte geradewegs in den Himmel. Diese
besondere Gunst Gottes war jedoch noch wenigeren vorbehalten. Den Königshäusern
vielleicht. Und den Superreichen. Die Menge an Geld, Edelsteinen und Land, die
die Kirche im Austausch für den vollen Ablaß erhielt, war enorm. Doch
diese Exklusivität führte bei den Massen zu großer Frustration
und Verärgerung. Der arme Bauer konnte nicht auf einen Ablaß vom
Bischof hoffen - und so verlor das Fußvolk allmählich sein Vertrauen
in das System, und die Zahl der Kirchgänger schrumpfte aufs neue. Und
was ließen sie sich jetzt einfallen? Sie
führten die Novenenkerzen ein. Die Leute konnten in die Kirche kommen, eine
Novenenkerze für die "armen Seelen im Fegefeuer" anzünden
und durch das Beten einer Novene (einer Anzahl von Gebeten in einer bestimmten
Reihenfolge, was einige Zeit in Anspruch nahm) die Strafe der lieben Verstorbenen
um Jahre verkürzen und sie früher aus dem Fegefeuer freibekommen, als
Gott es ursprünglich vorgesehen hatte. Für sich selbst konnten sie
zwar nichts tun, aber doch wenigstens um Gnade für die Verstorbenen beten.
Natürlich war es hilfreich, wenn ein oder zwei Münzen für jede
entzündete Kerze in den Schlitz geworfen wurden. Es flackerten eine Menge
kleiner Kerzen in den roten Gläschen, und eine Menge Peseten und Pfennige
wurden in eine Menge Blechbüchsen geworfen, um mich dazu zu bewegen, die
armen Seelen im Fegefeuer doch ein bißchen weniger leiden zu lassen. Das
ist ja unglaublich! Und du meinst, die Leute waren nicht imstande, das Ganze zu
durchschauen? Sie erkannten darin nicht den verzweifelten Versuch einer verzweifelten
Kirche, ihre verzweifelten Mitglieder ständig dazu zu bringen, alles zu tun,
um sich vor diesem Desperado, den sie Gott nannten, zu schützen? Du meinst
die Leute kauften Ihnen dieses Zeug tatsächlich ab? Im
wahrsten Sinne des Wortes. Kein
Wunder daß die Kirche die Reinkarnationslehre als Irrglaube bezeichnete. Ja.
Doch als ich euch erschuf, erschuf ich euch nicht so, daß ihr nur ein einziges
Leben leben könnt,... Buchauszug
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