Qumran - Die 3.Schriftrolle
Hier
nun eine Übersetzung der dritten Qumran-Schriftrolle, die
von den Essenern
in vorchristlicher Zeit aufgezeichnetwurde: Für
alle meine Gedanken und Handlungen gibt es einen Grund, nämlich die Erwartung
eines für
mich günstigen Ergebnisses. Wenn ich tagträume, erwarte ich vielleicht,
der Langeweile zu entgehen oder zu erleben, daß meine Vorstellung Wirklichkeit
wird. Vielleicht erwarte ich tieferes Wissen, Bewußtsein oder gesteigertes
Denkvermögen. Oder ich mache mir Sorgen, um mich davon zu überzeugen,
daß ich ein verantwortungsbewußter Mensch bin. Es gibt die verschiedensten
Wünsche und Erwartungen, sogar solche, die ich nicht gerne eingestehen möchte.
Manchmal
bin ich getrieben vom Wunsche
nach Geld und Besitz;
dann sind meine Gedanken und Handlungen darauf gerichtet.
Ich mag getrieben
sein durch ein Bedürfnis
nach Applaus und Zustimmung.
Ich möchte den anderen gefallen. Oft
bin ich durch den Drang
motiviert,
recht zu haben. Ich mag es gar nicht, daß meine Ansichten und Handlungen
als falsch eingestuft werden. Manchmal
ist der Wunsch nach Vergnügen die Triebfeder;
das Leben soll mir etwas bieten und mich befriedigen. Doch der stärkste Antrieb
für meine Gedanken und Handlungen ist meine Sehnsucht
nach Liebe.
Wenn ich mich
geliebt weiß,
habe ich wenig Verwendung für Geld. Manchmal gibt es mir zwar ein Gefühl
der Sicherheit, aber nichts entfernt so nachhaltig, wie es die Liebe vermag.
Wenn ich mich
geliebt weiß,
brauche ich Applaus und Zustimmung nicht; Liebe ist an sich schon Beifall und
Zustimmung. Wenn
ich mich geliebt weiß,
brauche ich nicht recht zu haben. In Gegenwart eines Menschen, der mir seine Liebe
schenkt, brauche ich mich meiner Fehler nicht zu schämen; ich schätze
es sogar, wenn er mich liebevoll auf sie aufmerksam macht.
Wenn
ich mich geliebt weiß,
gibt es für mich kein größeres Vergnügen; andere
Vergnügen sind fade oder lediglich ein Mittel, meiner Liebe Ausdruck
zu verleihen und Liebe zu erleben.
Nichts
befriedigt tiefer als Liebe. Wenn
ich mich geliebt weiß,
so bin ich zufrieden, jedoch nicht selbstgefällig. Ich werde weiterhin
zu Gedanken und Handlungen angetrieben, habe Ziele, Ideale, sogar Ehrgeiz.
Aber meine Ziele und mein Ehrgeiz sind nicht mehr Ausdruck der Unsicherheit;
ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen.
Wenn
ich mich geliebt weiß,
sehe ich mich zu liebevollem Handeln veranlaßt. Ziele und Ehrgeiz
sind Ausdruck meines Bedürfnisses, Freude zu geben und zu teilen.
Liebe
ist eine Überlebensfrage.
Ich brauche Liebe oder einen Liebesersatz, buchstäblich um überleben
zu können. Viel zu viele Menschen sind aus Mangel an Liebe gestorben.
Für Liebe gibt es mannigfaltigen Ersatz: Macht, Geld, materiellen
Besitz, Popularität und Ruhm. Sogar Abscheu und Haß sind Liebesersatz.
Jede Form markanter Beachtung kann als Liebesersatz dienen.
Liebesersatz
befriedigt indessen nicht wirklich. Bestenfalls bietet er nur zeitweilige
Betäubung und ruft wie ein Rauschgift nach Steigerung. Ist Macht
mein Liebesersatz,
so brauche ich heute mehr davon als gestern. Das gleiche gilt für
Geld, Haß, Mitleid und alle anderen Formen markanter Beachtung,
mit Ausnahme der Liebe.
Alle
Menschen wollen das Gefühl haben "es macht etwas aus, daß
ich lebe." Deshalb halten wir alle Ausschau nach Bestätigungen
und Zeichen, aus denen wir schließen können, daß "es
etwas ausmacht, daß ich existiere." Jede zugefügte Unbill,
jeder Streit und jeder Krieg ist Ausfluss des Hungers
nach Anerkennung
der Tatsache, "daß ich etwas ausmache." Jedes jemals begangene
Verbrechen ist die Folge dieser Lebensnotwendigkeit. Der Verbrecher sagt
sich im innersten Herzen, "ich mache etwas aus, und wenn mir diese
Gewißheit nicht gütlich zuteil wird, so werde ich euch zeigen,
dass man mit mir zu rechnen hat." Selbst Völker hegen diesen gemeinsamen
Gedanken: "Mit uns hat man zu rechnen. Und wenn eure Worte und Handlungen
dies nicht zum Ausdruck bringen, so töten wir eure jungen Männer,
wie wenn es auf sie nicht ankäme, und das wird euch veranlassen zu
erkennen, daß man mit uns zu rechnen hat."
Dieses
Bedürfnis nach Anerkennung der Tatsache, daß ich wichtig bin,
ist nichts anderes als der
Wunsch, geliebt zu werden.
Wenn ich geliebt werde, so weiß ich, daß ich von Bedeutung
bin, daß meine Existenz für den oder die Menschen, die mich
lieben, wichtig ist. Ich brauche keinen anderen Beweis. Ich werde geliebt,
das genügt.
Ich
habe einen Körper, eine Persönlichkeit, Verstand und Geist.
Ein
kleines Kind wohnt in mir;
es ist der kindliche verwundbare Teil meiner selbst. Alle diese "Teile"
bedürfen der Liebe, um gesund zu bleiben und zu überleben. Ich
bin für sie verantwortlich. Vielleicht empfange ich Liebe von anderen,
vielleicht auch nicht. Die anderen werden mein Wesen nicht immer billigen
oder mir zustimmen. Oft werden sie mir sogar zu verstehen geben, daß
sie mich für völlig bedeutungslos halten. Jedoch dieses eine
weiß ich:
ICH
WERDE GELIEBT.
Ob
ich mich geliebt weiß, ist mein Entscheid und meine Verantwortung.
Ich
akzeptiere die Verantwortung, all das zu lieben, was ICH BIN.
Jeden Tag will ich mehrmals daran denken, daß ich geliebt bin. Ich
selber liebe mich. Ich bin mir selber wichtig, ganz gleichgültig,
ob es anderen von Bedeutung scheint oder nicht, daß ich lebe, und
das genügt.
Ich
möchte gewiss von anderen geliebt werden; wenn mich aber auf der
ganzen Welt niemand liebt, bin ich doch goldrichtig. So habe ich beschlossen:
ICH
WERDE GELIEBT. Ich
will die anderen lieben und selber geliebt werden. Ich liebe die anderen,
ob sie mich lieben oder nicht. Es gibt keinen Grund, irgend jemanden meiner
Liebe zu berauben. Ich anerkenne aus freien Stücken, wie wichtig
es ist "daß Du lebst." Ich müchte das den anderen
so deutlich zu verstehen geben, daß sich niemand veranlaßt
fühlt, seine Wichtigkeit durch bösartige Handlungen unter Beweis
zu stellen.
Der
empfindlichste Mangel in der Welt ist der Mangel an Liebe. Der Hunger
nach Liebe ist die Wurzel aller Verbrechen, auch der Grund aller Schmerzen
und Leiden. Mangel
an Liebe und Anerkennung ist auch der tiefere Grund aller Kriege.
Hunger, Armut und Mißtrauen sind die Folgen von Liebesersatz und
schreien nach wahrer Liebe.
Liebe
vermag jedes Übel in der Welt zu ändern, den Krieg zu verhindern
und Frieden zu bringen. Liebe ist der geheime Weg, eine Gesellschaft ohne
Verbrechen herbeizuführen. Liebe kann eine ausgeglichene Verteilung
der Güter dieser Erde bewirken und allen zu einem menschenwürdigen
Dasein verhelfen. Da wo die Wohlhabenden die Habenichtse lieben, gibt
es keine Armut.
Heute
mache ich die Liebe zu meiner Pflicht. Ich will mithelfen, die Erde zu
verändern. Ich kann schon heute im Himmelreich leben. Es ist dies
ein Bewußtseinszustand, in welchem ich mich geliebt weiß und
andere vorbehaltlos liebe. Von
heute an liebe ich mich selbst.
Ich
liebe, was ICH BIN. Ich liebe nicht all das, was ich getan habe. Ich liebe
meine Fehler nicht, aber ich würdige das, was ich aus ihnen gelernt
habe, und liebe mich, auch wenn ich Fehler mache.

Ich vergebe all denen, die mich nicht lieben und vielleicht nicht lieben
können. Ich liebe sie trotzdem.
Heute
entlasse ich meine Familie, meine Freunde und meinen Ehepartner aus der
Tyrannei
meines
Hungers nach Liebe. Nicht länger werde ich ihnen durch Worte oder
mein Verhalten zu verstehen geben:
"Ich brauche Deine Liebe; ich bin verletzt
und werde böse, wenn Du mich nicht liebst."
Von heute an liebe ich
mich selbst.
ICH
LIEBE MICH.
ICH
BIN GELIEBT.
ICH BIN
GELIEBT UND ES IST WUNDERBAR.
WEIL
ICH MICH LIEBE, BIN ICH FREI, DICH ZU LIEBEN.
ICH BIN
GELIEBT UND ICH BIN DANKBAR. |