| Ich sah eine Quelle gleißend weißen Lichtes,
das tosend sich ergoß aus dem Schlund der Erde.
Es gluckste und zischte, und dann wurde ES emporgespült.
Es war der Schöpfer.
Er trat aus dem Licht und war alt anzusehen, und runzlig
die Haut, seine Haare weiß, auch der Bart. Er stöhnte über
seine alten Knochen und ächzte: "Immer muß ich erscheinen,
so wie die Menschen in Ihren Vorstellungen sich mich erdenken ... wünschte
mir, sie würden ersehnen einen jungen dynamischen Gott ...... könnte
dann kommen mit Muskeln und braungebrannt" und nach einer Weile des
Träumens: "dann dürfte ich surfen den ganzen Tag auf dem
Licht des Wassers, oder als Kind die Schönheit der Blumen genießen."
Er humpelte wieder zurück zur Quelle.
Schon am Rande wankend drehte er sich nochmals um und
sprach mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht: "Ja, ja, die Menschen
sie glauben, daß sie mit den Jahren älter werden, und im Alter
am Stock, auf Krücken oder gar im Rollstuhl dem Tod entgegenstreben
müßten" Vor lauter Lachen schwankte er jetzt schon stark
am Rande der Quelle "Und dann glauben sie noch am Ende würden
sie sterben. Und wenn sie dann gestorben sind , dann merken sie erst daß
sie immer noch leben!". Er bog sich vor Lachen und freute sich, daß
es IHM gelungen war ein Wesen von solcher Dummheit zu erschaffen. Er sprang
zurück in den lichten Quell. Sein Lachen wurde leiser und klang immer
mehr wie das Lachen eines kleinen Kindes.
Das Licht verschwand.
Die Quelle auch.
Danach nur Stille, denn der Schöpfer war da gewesen.
Eine heilige Stille.
Er hatte einen Wunsch geäußert.
Die Stille würde ihn gebären.
So wie immer.
anre 1999

|